Erkenntnisse…
Erkenntnis kann mensch als Prozess und Ergebnis eines durch Einsicht und/oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen. Sie beinhaltet immer die Beziehung zwischen einem erkennenden Subjekt und einem erkannten Objekt. Erkenntnis kann sich auf einen Sachverhalt als auch auf einen Prozess beziehen. Je nachdem, ob eine Erkenntnis unmittelbar gewonnen wird oder ob sie durch eine indirekte Information entstanden ist, spricht man von der unmittelbaren, intuitiven, anschaulichen Erkenntnis oder von der mittelbaren, diskursiven, schlussfolgernden Erkenntnis.
Im Laufe meines Lebens habe ich, wie jeder andere auch, unzählige Erkenntnisse, aufgrund Einsichten und Erfahrungen, erlangt. Ich bin, wie jeder, ein ewig Lernender, und das Ergebnis von Lernen ist eben Erkenntnis.
Über Jahre, sogar den Großteil meines Lebens, habe ich es mir aber nicht gestattet, intuitiv, unmittelbar zu erkennen. Ich war so sehr fremdwahrnehmend und fremdgesteuert, dass Erkenntnisse mich betreffend von mir kontinuierlich ausgeblendet, unterdrückt wurden. Jeden Prozess, jeden Sachverhalt, jede Situation habe ich durch den Wolf gedreht, genauestens überprüft, mit Fakten belegt oder widerlegt, und meinem Umfeld angepasst. Diese fast ausschließlich schlussfolgernden Erkenntnisse bestimmten mein Handeln. Ich habe mein Bauchgefühl ignoriert und missachtet, welches mir viele nachfolgende Erfahrungen erspart hätte, wäre ich fähig gewesen, intuitiv, unmittelbar zu erkennen.
Doch genau diese Erfahrungen, Einsichten in meine „dunkle Seite“, waren es, die mir die Erkenntnis gaben, „Hier läuft etwas gewaltig schief! Es muss sich etwas ändern!“. Denn es gibt kein Dunkel ohne Helligkeit, keine Finsternis ohne Licht. So erkannte ich, es gibt auch eine „helle Seite“ in mir, eine Seite voller Wünsche und Bedürfnisse, Talente und Neigungen, Vorlieben und Abneigungen, und voller Emotionen. Diese einfache Erkenntnis, öffnete eine Tür, ebnete den Weg dahinter für neue Erfahrungen, Einsichten in eine fremde, aber wundervolle Welt - in meine Seele…
Ich habe diese Tür durchschritten, gehe den Weg in meiner Seelenwelt seit nunmehr fünfzehn Jahren. Ich beobachte mich dabei, ich nehme mich wahr. Jeder Schritt, ob auf dem Weg oder auch auf Abwegen, war und ist eine neue Erfahrung, verschafft mir eine andere Sicht, Einsicht, die wiederum eine neue Erkenntnis bedeutet, unmittelbar, intuitiv, anschaulich - Learning by Doing, oder anders „Erkenntnis durch achtsame Wahrnehmung“. Ich erkenne MICH!
Mehr und mehr lasse ich die unmittelbaren, intuitiven Erkenntnisse auf mich, in mir wirken. Immer öfter folgen die mittelbaren, schlussfolgernden Erkenntnisse erst danach. Ich fühle also erst, was eine Erfahrung oder Einsicht mit mir macht, bevor ich sie mir gegebenenfalls erkläre, eine Schlussfolgerung ziehe, Fakten mit einfließen lasse.
Diese Form Erkenntnisse sind ehrlich, sie beziehen MICH als Person, Körper und Seele, ein. Sie fühlen sich echt an, sie spiegeln mein ICH wieder.
Ganz besonders in den letzten zehn Monaten habe ich Erkenntnisse erlangt, die ich früher nicht zu ahnen vermochte, Kenntnisse über mich. War ich früher schwammig und unklar, hab meine Fahne in den Wind gehängt, meine Bedürfnisse und Empfindungen missachtet, so bin ich heute auf einer Entdeckungsreise, tauche in meine Empfindungen ein, bemerke und beachte, was ich brauche, steh zu dem und zu mir, und kann klar vermitteln, was ich will und wer ich bin.
Ich habe, mit einmal, Einblick in meine tiefste Emotionalität, bemerke plötzlich, was ich wann wie warum fühle. Ich agiere und reagiere entsprechend. Ich kann meine Wünsche, Bedürfnisse, Fantasien, sogar meine Emotionen äußern, weil ich sie erkenne. Ich kann meine Grenzen setzen, Verletztheit, Trauer, Ärger, Wut zeigen, weil ich es erkenne. Mich hat die Erkenntnis getroffen, dass ich nicht unter einer gewissen „krankheitsbedingten“ Emotionslosigkeit leide, sondern alle Emotionen in mir schlummern und nur aktiviert werden müssen. Ich habe erkannt, dass ICH wichtig bin. Mein Motto “Geht es meinem Umfeld gut, geht es mir gut!“ war ein Trugschluss. Richtig ist „Geht es mir gut, färbt meine Positivität auf mein Umfeld ab!“. Das Umfeld verändert sich.
Ich habe erkannt, dass schlimme Erfahrungen und Un-Einsicht, daraus resultierende mangelnde oder falsche Erkenntnisse Blockaden erschaffen haben, die erst zur Krankheit führten. Ich habe diese Blockaden erkannt. Diese Erkenntnisse, das Lösen der Blockaden, sind Grundlage meiner Genesung.
Die massive Sachlichkeit, das Festhalten an Fakten, die mittelbaren, diskursiven, schlussfolgernden Erkenntnisse, waren meine Möglichkeit, trotz mangelnder Emotionalität, einen Platz, einen Wert in der Gesellschaft zu erhalten, was mir damals wichtig war. Gleichzeitig bildeten sie eine Mauer, einen Schutzwall (Danke Liebste ♥) zu den Emotionen, die ich nicht empfinden wollte, weil sie in der Vergangenheit unangenehme Folgen mit sich brachten.
Das intuitive, unmittelbare Erkennen, die Rückkehr und das Beachten meines Bauchgefühls, aber auch die Unterstützung, das Zurechtrücken meiner Ansichten zu MIR durch meine Liebste, haben mir eine neue Erkenntnis beschert: ICH bin wertvoll, wenn ich echt bin!
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